Vom Betroffenen zum Behandler

„Erwischt“ hat mich mein M. Menière kurz vor meinem 30. Lebensjahr im April 1987, als ich im Rahmen meiner Ausbildung zum Anästhesisten auf die Intensivstation kam. Endlich angekommen auf der chirurgischen Intensivstation, dem Nadelöhr in der Facharztausbildung als Anästhesist in der Uni Köln, überfiel mich am ersten Arbeitstag mittags für eine halbe Stunde eine elende Übelkeit.

Ich konnte nicht mehr geradeaus gucken und wartete wie seekrank auf einer Pritsche sehnlichst darauf, es möge vorbeigehen. Ich wollte doch nicht ausgerechnet jetzt, wo ich endlich den notwendigen Ausbildungsschritt machen durfte, ausfallen. Also habe ich, nachdem ich wieder stehen konnte, im Anschluß die Zeit doppelt wett gemacht und trotz Übelkeit bis zum Abend eifrig weitergearbeitet.

Am anderen Tag konnte ich meine Kollegen auf dem rechten Ohr nicht mehr verstehen. Es fiel das Wort „Hörsturz“, das mir damals noch wenig sagte, außer dass ich eher widerwillig in die HNO-Abteilung ging. Die zunehmend blasser werdende Audiometristin ließ mich ahnen, dass hier nichts Gutes zu erwarten war. So zeigte dann der Hörbefund einen deutlichen Verlust im Tieftonbereich, was mir als infusionspflichtig gedeutet wurde.

Dem folgte ein „Sie wissen ja, Herr Kollege“ und „da werden wir den Oberarzt hinzuziehen“ und ich wußte und verstand nichts, traute mich aber nicht, es zu zeigen und zum Nachlesen war ich zu durcheinander. Dann fand ich 3x2mg Valium in meiner Medikation und nachdem die konventionellen Infusionen nur einen erneuten Hörverlust begleiteten, durfte ich noch an einer Prostaglandin-Studie teilnehmen, die vor allem heftige Übelkeit nach sich zog und sich inzwischen als unwirksam erwiesen hat.

Das halbe Jahr Intensivstation mit seinen 12-13 Stunden-Schichten habe ich nach drei Wochen Ausfall noch ausreichend „durchgezogen“, nur gegen Ende lag ich wieder 14 Tage notfallmäßig in einer anderen HNO Klinik.

Diesmal war der Schwindel sonntagmorgens so vernichtend, dass ich am liebsten aus einem der vielen Fenster gesprungen wäre, die sich da drehten. Aber wie sollte ich aus dem Bett bis dahin kommen? Jetzt fiel von meinem ärztlichen Mitbewohner zum ersten Mal der Begriff „Menière“, den ich beängstigend aus den Multiple Choice Prüfungen kannte.

Die Facharztausbildung habe ich noch geschafft, dann auch noch gut vier Jahre Arbeit als Facharzt, zum Schluss auf einer Zweidrittel-Stelle. Ich hatte gehofft, gute Vorsätze, die üblichen Tabletten und Autogenes Training als maximales Zugeständnis zur „Para“-Medizin reichten aus, und ich war wieder ganz optimistisch und in vielerlei Hinsicht auch übereifrig.

 

Sonntag, den 26. Juli 1992 gegen 6.20 Uhr

Fünf Jahre nach meinem ersten „Anfall“ und nach einem bösen Traum, dreht sich das Zimmer immer heftiger von links nach rechts, wenn ich die Augen sekundenweise aufmache. Ich habe noch zwei lange Stunden hausärztlichen Notdienst an diesem Sonntag um 6 Uhr morgens. Meine WG ist „ausgeflogen“. Natürlich wird’s durch Aufstehen nicht besser - im Gegenteil, ich tapse nur noch mehr in meine Verzweiflung.

 

(...)

 

Dies an Zuversicht und Verständnis möchte ich weiter mit meinen Patienten teilen.

Dr. Helmut Schaaf

Tinnitus-Klinik Arolsen

Große Allee 3

34454 Arolsen

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