„Stolpersteine – immer wieder aus dem Weg geräumt“

1979 wurde ich mit allen fünf Sinnen geboren. Ich lernte sprechen und mit meiner Umgebung zu kommunizieren. Im Alter von dreieinhalb Jahren wurde meine Schwerhörigkeit entdeckt. Die Ärzte vermuteten einen Impfschaden und von jedem, dem ich heute noch diese Theorie unterbreite, ernte ich einen mitfühlenden Blick, denn ein Impfschaden sei ja nicht meine Schuld und es könne jedermann treffen.

An die ersten Jahre erinnere ich mich nur dunkel. Mit meinen Hörgeräten freundete ich mich schnell an, meine Eltern fuhren regelmäßig mit mir nach Neuwied zur Frühspracherziehung in den Gehörlosenkindergarten und ich erinnere mich, dass ich zu dieser Zeit noch Märchenkassetten hören und verstehen konnte. Mit dieser mittelgradigen Schwerhörigkeit fand ich mich nach dem Dorfkindergarten in der Dorfgrundschule wieder. Diese „Zwergschule“ hatte unschätzbare Vorteile. Zum einen saßen in meiner Klasse nur zehn Kinder, was die Hintergrundgeräuschkulisse im erträglichen Rahmen hielt. Zum anderen wurden fast alle Fächer von der gleichen geduldigen Lehrerin unterrichtet, auf die ich mich voll und ganz einstellen konnte. Es war ein Leichtes, leistungsmäßig mit meinen normalhörenden Klassenkameraden „mitzuschwimmen“, aber ich musste schnell erkennen, wie verletzend sich gerade Kinder im Grundschulalter gegenüber einer Hörbehinderten verhalten können.

In der dritten Klasse spielten meine Eltern mit dem Gedanken, mich während der Unterrichtszeit mit einer Mikroport-Anlage unterstützen zu können. Dieses Ding bestand aus wirren Kabeln und ziemlich großen Bestandteilen, und als ich mir zum ersten Mal die Anlage umhängte, begann die Klasse schallend zu lachen. Das Gelächter verfolgte mich, während ich im Musikunterricht ein Lied vorsingen musste und es ebbte nicht mehr ab.

 

 

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Maike Gebhardt

In der Burg 12

56179 Niederwerth

 

 

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