Bei der Bewertung von Hörstörungen fällt immer auf, dass Normalhörige kaum eine Vorstellung davon haben, wie sich eine Schwerhörigkeit konkret im täglichen Leben und im Beruf auswirkt. Außerdem ist es schwierig, Hörstörungen gradmäßig zu klassifizieren. Dabei spielt das Sprachverständnis immer eine führende Rolle bei der Klassifizierung von Hörstörungen. Um diese Problematik anzudeuten, folgendes Gedankenexperiment: Normalhörigkeit (Hörverlust 0 %) = Sprachverständnis auf 20 m Entfernung; Taubheit (Hörverlust 100 %) = laute Sprache ist direkt am Ohr nicht mehr verständlich. - Die Einschätzung des Schweregrades einer Hörstörung geschieht immer ohne Hilfsmittel bzw. ohne CI.“ (Prof. Dr. Harald Feldmann, Schnecke 37, S. 51)

Mein über drei Jahre andauernder Kampf mit dem Versorgungsamt (VA)

Vor Eintritt ins Berufsleben erhielt ich 1976 mit neunzehn Jahren erstmals einen Schwerbehindertenausweis mit GdB 60 und später zusätzlich das Merkzeichen RF aufgrund meiner an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit. Neunzehn Jahre später stellte ich einen Verschlimmerungsantrag bei meinem zuständigen VA aufgrund meiner Hörverschlechterung. Schon damals konnte ich laute Sprache direkt am Ohr nicht mehr verstehen. Mein Antrag wurde mit folgendem Wortlaut abgelehnt: „Eine wesentliche Veränderung Ihrer Behinderung ist nicht eingetreten und der GdB ist mit 60 zutreffend bewertet.“ Ich fühlte mich damals zu ohnmächtig, dem zu widersprechen und ließ die Sache auf sich beruhen.

Nach erfolgreicher Cochlea-Implantation 2001 stellte ich erneut einen Verschlimmerungsantrag. Die darauf folgende Ablehnung wurde mit den Worten begründet: „Die Prüfung Ihres Erhöhungsantrages hat ergeben, dass keine wesentliche Änderung in Ihren gesundheitlichen Verhältnissen eingetreten ist, die eine Erhöhung des GdBs rechtfertigt. Eine Verschlimmerung ist durch die Implantat-Versorgung nicht eingetreten.“

Jetzt als „hörende Taube“ war ich nicht mehr gewillt, diese Missstände länger hinzunehmen. Ich wusste, dass mir nach den so genannten Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertengesetz von 1996 ein höherer GdB zusteht. Mein Kampfgeist war geweckt und voller Energie und Tatendrang erhob ich Widerspruch, indem ich zur gutachtlichen Stellungnahme um die Fachkompetenz eines HNO-Arztes bat. Im Antwortschreiben des VAs hieß es dann: „Nach erneuter Überprüfung der Unterlagen wird eine erfolgreiche Operation mit Implantat-Versorgung beschrieben. Ihr Widerspruch hat somit keine Aussicht auf Erfolg.“

(...)

Erika von Soosten

Am Knick 14

27619 Schiffdorf-Wehdel

 

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