Sehr geehrte Frau Böhmer,
Ihren offenen Artikel für die Schnecke habe ich zu lesen bekommen. Sie haben Recht,  Freud und Leid liegen oft sehr eng beieinander. Es tut mir außerordentlich leid, dass Sie in unserer Klinik Unangenehmes erleben mussten. Sie dachten vor der Operation, wie Sie schreiben: „Was soll diesmal schon passieren, wo ich doch schon Erfahrung mit einer CI-Operation gesammelt habe?“ Leider wissen wir immer erst hinterher, was alles geschehen kann und wie der Einzelne dann darunter leidet. Medizinische Indikationsstellungen und vorherige Aussagen zu dem Erfolg sind immer wieder sehr schwierig, und wenn nicht alles so gelingt, wie man es sich vorstellt, dann ist das natürlich auch sehr ärgerlich. Ich hoffe sehr, dass Sie mit Ihren Beinen noch weiterhin deutliche Fortschritte machen werden. Im Einzelnen möchte ich aber auf  Ihre Beschwerden mit den Beinen hier nicht näher eingehen, weil derzeitig dazu eine Klärung durch unabhängige Sachverständige bei der Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern herbeigeführt wird. Seien Sie versichert, dass ich die von Ihnen monierten Dinge mit meinen Mitarbeitern, aber auch mit den in der HNO-Klinik tätigen Kollegen der Anästhesieabteilung, besprochen und ausgewertet habe. Von meiner Seite möchte ich Sie für alle in unserer Klinik erlebten und vermeidbaren Unannehmlichkeiten um Entschuldigung bitten.

Unabhängig von dem Problem mit den Beinen ist für mich tröstlich, dass Sie trotz der Verknöcherung im Bereich der Hörschnecken nach langem Kampf doch mit einem zweiten CI-Gerät versorgt werden konnten. Es freut mich ganz besonders, von Ihnen zu lesen, dass Sie das zweite CI-Gerät nicht mehr missen wollen und es Ihnen große Dienste leistet. Dass das Hören mit zwei ‘Ohren’ unvergleichlich besser ist, wie Sie so treffend schreiben, müsste inzwischen für alle Betroffenen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein und die Genehmigung zur bilateralen Hörrehabilitation durch die Kassen dürfte in Zukunft im Grunde nicht mehr in Frage gestellt werden. Sie haben im Vorfeld noch erheblich für die Genehmigung einer bilateralen CI-Versorgung kämpfen müssen. Mit Ihrem Engagement haben Sie wesentlich  dazu beigetragen, dass es nachfolgende Patienten zukünftig bezüglich einer doppelseitigen CI-Versorgung wahrscheinlich leichter haben werden. Dafür gebührt Ihnen Dank.

Ich wünsche Ihnen lang andauernde Freude beim Hören über beide CI-Geräte und hoffe für Sie, dass Ihr langjährig gehegter Wunsch, wieder Musik hören zu können, doch noch in Erfüllung geht.

Mit besten Wünschen für Ihre Gesundheit

Ihr
Prof. Dr. E. Beleites

Direktor der Universitäts-HNO-Klinik
der Friedrich Schiller Universität Jena

Lessingstr. 2   

07743 Jena

 

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