Positionspapier zur bilateralen CI-Versorgung

Auf nur einem Ohr hören, wenn es auch mit beiden möglich ist?

Die Deutsche Cochlear Implant Gesellschaft e.V. sagt „Nein“ und fordert das Grundrecht auf Hören mit zwei Ohren.

 

„Die bilaterale CI-Versorgung muss für Kinder und Erwachsene auch in Deutschland Standard werden.“

Das Hören mit zwei Ohren ist in der Natur begründet. Internationale klinische Studien sowie hunderte Erfahrungsberichte Betroffener belegen die positive Bedeutung der beidseitigen CI-Versorgung. Auch auf der ‘2. Consensus-Conference on Cochlear-Implants’ in Valencia erging eine eindeutige Stellungnahme für die bilaterale Cochlea Implantat-Versorgung.

Durch die bilaterale Versorgung wird es CI-Trägerinnen und CI-Trägern nachweislich ermöglicht, besser und differenzierter zu hören. Das Sprachverständnis im alltäglichen Störlärm wird beachtlich gesteigert.

Gutes Verstehen im Störlärm und beim Richtungshören sind für Menschen mit zwei gesunden Ohren selbstverständlich. Durch das zweite CI wird diese Selbstverständlichkeit auch für viele CI-Trägerinnen und CI-Träger möglich.

Kommunikation im Alltag, in der Schule und im Berufsleben wird enorm verbessert und darüber die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gefördert.

Für Kinder bedeutet eine bilaterale Versorgung die Grundlage zur Ausbildung eines Richtungsgehörs und verbessertes Sprachverständnis bei Störlärm. Beides sind wichtige Voraussetzungen für eine gelungene kognitive und sozial-emotionale Entwicklung. Infolgedessen sind die Ressourcen in der Schule ungleich größer, die sich anschließende Berufslaufbahn Erfolg versprechender. Kinder mit prä-, peri-, oder postlingual erworbener Hörstörung müssen möglichst rasch bilateral versorgt werden, um den zeitlich begrenzten Prozess der Hörentwicklung und des Spracherwerbs optimal nutzen zu können.

Unter psychologischen Aspekten betrachtet, wirkt sich eine beidseitige CI- Versorgung positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus. Scheue, zurückhaltende, unsichere Kinder, die jedem Wort hinterher hecheln, entwickeln sich durch die Implantation des zweiten CIs häufig zu aufgeweckten, positiv denkenden und vor allem selbstbewussten Menschen.

Für Erwachsene bedeutet ein ‘Mehr an Hören’ in der Regel den Verbleib im sozialen Umfeld und im Beruf. Zudem steigert das bilaterale CI-Hören die Chance, einen eigenen sozialen Beitrag leisten zu können. Als ‘selbstbewusster’ und ‘entspannter’ beschreiben beidseitig versorgte erwachsene CI-Trägerinnen und CI-Träger ihr neues Lebensgefühl mit dem zweiten CI 

Daneben stellt das Hören mit beiden Ohren eine signifikante Steigerung der Lebensqualität dar. Die Teilnahme an Gesprächen im Alltag wird erleichtert und Energien für eine aktive Teilnahme an der Kommunikation werden freigesetzt. Die Integration in die Gesellschaft wird gefördert.  

Einseitig versorgte Kinder und Erwachsene entwickeln durch die stetige Hinwendung zur Geräuschquelle innerhalb der täglichen Kommunikation nicht selten Haltungsschäden. Ausgleich schafft hier nur eine beidseitige CI-Versorgung.  

Cochlea Implantate ersetzen einen der fünf Sinne und kompensieren eine Behinderung weitgehend. Das Grundgesetz besagt: ‘Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden’. Hören mit beiden Ohren – mit zwei CIs – muss deshalb jedem, der es wünscht, ob jung oder alt, ermöglicht werden.

 

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