Deutsche Cochlear Implant Gesellschaft e.V.

Positionspapier:

Unterversorgung mit Cochlea Implantaten in Deutschland

Hören ist die herrlichste Sache der Welt – solange man es kann. In Deutschland leben mindestens eine viertel Million Menschen (z.B. Schwerbehinderte mit Merkzeichen GL), denen diese herrliche Sache aufgrund des limitierten Einsatzes von Implantaten nicht ermöglicht wird. Hören ist also nicht nur die herrlichste Sache, wenn man es kann, sondern auch, wenn man die Chance dazu bekommt!

Hören ist weit mehr als die bloße Wahrnehmung von Lauten und Geräuschen. Hören bedeutet in unserer Welt, die überwiegend auf Lautsprache basiert, Kommunikation in Alltag, Schule und Beruf, Integration und soziale Anerkennung, persönliche Entwicklungschance und nicht zuletzt auch Lebensqualität.

Die Ohren sind unsere differenziertesten Sinnesorgane. Sie sind sensibler, genauer und leistungsfähiger als unsere Augen und unterscheiden bis zu 400.000 Töne. Sie warnen vor Gefahren, geben uns Orientierung und sind wichtig für unsere soziale und berufliche Kommunikation und damit für unser psychisches Wohlbefinden. Der Mangel an sprachlicher Kommunikation führt zur Vereinsamung und zur sozialen Ausgrenzung; ein Weg, den besonders Betroffene im Erwachsenenalter nicht gehen müssten.

Jährlich werden in Deutschland rund tausend gehörlose oder an Taubheit grenzend schwerhörige Kinder geboren. Cochlea Implantate ermöglichen diesen Kindern hören und sprechen zu lernen. Dies sind wichtige Voraussetzungen für die kognitive, psychomotorische und sozial emotionale Entwicklung eines jeden Kindes. Jedes Jahr durchleben ca. 245 Kinder bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr eine massive Hörverschlechterung bis hin zur hochgradigen Schwerhörigkeit. Jährlich ertauben ca. 5.240 Erwachsene durch Unfälle, Entzündungen oder Erkrankungen. Dies ergibt eine Summe von rund 6.485 Betroffenen jährlich (Tendenz steigend)! Neu mit einem Cochlea Implantat versorgt werden jedoch jährlich nur ca. 800 Kinder und Erwachsene. Es entsteht in Deutschland jedes Jahr eine Versorgungslücke für über 6.650 Betroffene (exemplarisch 2005, Tendenz steigend)!

Unsere Nachbarländer Schweiz und Österreich sind in der Versorgung bedeutend weiter: In der Schweiz leben im Vergleich zu Deutschland nur rund 7,5 Mio. Menschen, von denen aber über tausend Betroffene versorgt sind; in Österreich sind von 8,2 Mio. Einwohnern sogar über 1.300 CI-versorgt.

Deutschland bleibt bei einer Bevölkerungszahl von rund 82,4 Mio. Menschen und gerade mal 9.000 CI-Versorgten deutlich hinter diesen Nachbarländern zurück. Somit sind relativ betrachtet, also bei gleicher Einwohnerzahl, in der Schweiz 22 % mehr Betroffene versorgt, in Österreich sogar 45 %. In diesem Vergleich ist Deutschland eher ein ‘Entwicklungsland’.

Das Modell macht deutlich, dass 2005 in Deutschland 6.650 Menschen, denen ein Cochlea Implantat das Hören oder Wiederhören ermöglichen würde, nicht versorgt wurden. Durch die CI-Versorgung haben seit 1984 nur rund 9.000 Kinder und Erwachsene in Deutschland das Glück, wieder hören zu können.

Die Deutsche Cochlear Implant Gesellschaft fordert für alle Betroffenen, die es wünschen, eine zeitnahe Versorgung mit Cochlea Implantaten und spricht sich gegen die bestehende Limitierung des Einsatzes von Cochlea Implantaten in Deutschland aus. Der gravierende Zustand, dass Patienten aufgrund der Limitierungen nicht versorgt werden, ist untragbar und auch ethisch fragwürdig. Die überwiegende Zahl der bisher Versorgten würde die Entscheidung für das CI wieder fällen. Jeder Tag ohne Versorgung ist ein verlorener Tag! Das Cochlea Implantat kann eine Sinnesbehinderung kompensieren, allen Betroffenen muss diese Kompensations-Chance zugänglich gemacht werden.

Deutsche Cochlear Implant Gesellschaft e.V. (DCIG)

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