Offener Brief an alle Direktoren der CI-Kliniken in Deutschland

Bilaterale CI-Versorgung, Gespräch der DCIG mit MDS/MDK

 Am 16. Februar 2006 hatte die DCIG e.V. – vertreten durch die unterzeichnenden Personen – die Gelegenheit, den Spitzenverbänden der Krankenkassen sowie dem MDS/MDK unter Einbezug von Dr. Ulrich Hase von der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen und Schwerhörigen e.V. und der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Helga Kühn-Mengel, auf Einladung des BMG in Bonn unseren Standpunkt zur ‘Bilateralen Versorgung mit Cochlea Implantaten’ zu vermitteln.

In offener, z.T. auch heftiger Diskussion legten die Vertreter des MDS/MDK ihre Rationale vor, warum sie der Überzeugung sind, dass die bilaterale CI-Versorgung für eine Standardversorgung noch nicht reif wäre.

Kernpunkt dieser Rationale war die angeblich nicht ausreichende Studienlage. Zwar gäbe es eine Reihe von Studien, von denen der MDS/MDK aber nur eine oder zwei als klinisch evident bezeichnete. Die anderen Studien wären z.T. nicht ausreichend dokumentiert, die Ein- und Ausschlusskriterien nicht durchgehalten/transparent, die Studiengruppen nicht homogen bzw. nicht alle Patienten, die eingeschlossen sind, entsprechend dauerhaft nachuntersucht. Zudem wurde das Fehlen von HTA-Reports (Qualitätssicherungsdokumente) zur bilateralen CI-Versor­gung angeführt. Die Studien und auch insgesamt die CI-Versorgung wäre in Deutschland zu sehr zersplittert, um ein einheitliches Bild ‘Pro Bilateral’ abzugeben. Zudem wäre die Versorgung in Deutschland insgesamt nicht ausreichend dokumentiert und das schweizerische Cochlear-Implant-Register wurde als beispielgebend dargelegt.

Da die DCIG e.V. die Forderungen des MDS/MDK nicht direkt erfüllen kann, haben wir zugesagt, an alle CI-implantierenden und -forschenden Kliniken in Deutschland schriftlich zu appellieren, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung entsprechende Daten zusammenzutragen, ggf. auch neue Studien zu initiieren bzw. Meta-Daten aus vorhandenen Studien zu generieren, die dann seitens des MDS/MDK als evident erachtet werden können. Dies wäre zum Wohle der Patienten möglichst rasch anzugehen.

Ungeachtet dieses Appells haben wir als Betroffene sehr deutlich gemacht, dass die DCIG e.V. folgenden Standpunkt vertritt: Bereits heute sind alle Voraussetzungen für die Standardisierung der bilateralen CI-Versorgung in Deutschland gegeben. Gehörlos geborene und ertaubte Kinder und Erwachsene haben ein Recht auf das Hören mit zwei ‘CI-Ohren’. Die damit einhergehenden Verbesserungen, wie z.B. Verstehen im Störschall, Richtungshören, geringere Höranstrengung, mehr Leistungskapazitäten in Schule, Beruf und Familie, sind aus Sicht der DCIG bereits signifikant. Immer mehr Sozialgerichte in Deutschland teilen diese Auffassung und verpflichten die Krankenkassen zur Leistung.

Wir hoffen sehr und wünschen uns, dass Sie und Ihre Kollegen unseren Appell annehmen und zeitnah realisieren. Für weiterführende Gespräche stehen wir gerne und jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Franz Hermann                                    Michael Schwaninger

Präsident                                             Vizepräsident

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