Hörgeschädigtenbildung in Bulgarien: Die erste Gehörlosenschule wurde in Bulgarien 1898 als Privatschule durch den Deutschen Ferdinand Urbich in Sofia gegründet. 1906 wurde die Einrichtung – mit F. Urbich als Direktor – staatlich. Diese Entwicklung entsprach den Bemühungen der Taubstummenlehrer der damaligen Zeit, die versuchten, die zumeist als Privatschulen gegründeten Einrichtungen zu verstaatlichen, um deren Weiterbestand zu sichern. Ein Großteil der taubstummen Kinder stammte aus ärmeren Familien, die das erforderliche Schulgeld nicht oder nur unter erheblichen Entbehrungen aufbringen konnten.

Heute gibt es vier Schulen für Hörgeschädigte in Bulgarien (bei einer Einwohnerzahl von ca. 7,9 Millionen, wovon etwa eine Million in der Hauptstadt Sofia wohnen). Die Schulen befinden sich in Sofia, Plovdiv, Targoviste und Maglisch. Der Schulbesuch und die eventuell notwendige Internatsunterbringung ist für die Eltern kostenlos.

Der erste Kindergarten wurde 1956 an der Sofioter Hörgeschädigtenschule eröffnet. 1969 entstanden die ersten beiden ‘Zentren für Hör- und Sprachfrührehabilitation’. Diese sichern die Frühförderung hörgeschädigter Kinder. Seither lernt eine wachsende Zahl der hörgeschädigten Kinder auch in allgemeinen Schulen.

CI-Versorgung in Bulgarien

Aufbau und Entwicklung der CI-Versorgung in Bulgarien

Die CI-Versorgung hat in Bulgarien – bezogen auf den gesamteuropäischen Maßstab – erst relativ spät begonnen, nämlich um die Jahrhundertwende 20./21. Jahrhundert. Der Erfahrungszeitraum mit der CI-Versorgung ist daher noch relativ kurz.

Vorteilhaft wirkte sich jedoch aus, dass man von den bereits gesammelten Erfahrungen anderer Länder partizipieren konnte, wogegen sich die ökonomische Situation des Landes nach wie vor als Hemmnis erweist. Die ersten CI-Versorgungen in Bulgarien wurden zunächst vom Sozialministerium finanziert. Ab dem Jahr 2003 übernahm das Finanz- und Gesundheitsministerium die Kosten für die CI-Versorgung bei Kindern.

Der wohl gravierendste Unterschied zum Beginn der CI-Versorgung in anderen Ländern ist der, dass man in Bulgarien nicht mit ertaubten Personen, sondern mit prälingual gehörlosen jungen Kindern begann. Auch gegenwärtig noch gibt es nur vier im Erwachsenenalter mit einem CI versorgte Personen, davon eine, deren progrediente Schwerhörigkeit zur totalen Ertaubung führte, und drei, die infolge einer Meningitis ihr Hörvermögen verloren. Prekär für die im Erwachsenenalter von einem hochgradigen Hörverlust Betroffenen ist, dass die Kosten für die CI-Versorgung und Nachsorge vom Staat nur für Kinder übernommen werden. Daher müssen die Erwachsenen ihre Implantationen vollständig selbst finanzieren.

  

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Prof. Dr. Annette Leonhardt, Irena Bozhinova

Lehrstuhl für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik

Ludwig-Maximilians-Universität München

Leopoldstr. 13

80802 München

 

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