Einseitige Taubheit

– Versorgung mit dem knochenverankerten Hörgerät

Begriffsbestimmung

Wenn wir von einseitiger Taubheit sprechen, müssen wir zunächst klären, ob es sich um eine ‘echte’ (sensorineurale) Taubheit handelt, bei der das Hörorgan auf der betroffenen Seite komplett ausgefallen ist, oder um eine funktionelle Taubheit, bei der das Hörorgan (die Schnecke) noch funktioniert und lediglich die Schallzuleitung blockiert ist. So etwas liegt beispielsweise bei einer großen Ohrfehlbildung vor, bei der der äußere Gehörgang verschlossen (bzw. gar nicht angelegt) ist (Abb. 1). Man spricht dann auch von einer Gehörgangsatresie. Diese verursacht einen so genannten Schallleitungsblock von 50 dB HL.

Einseitige funktionelle Taubheit

Bei Patienten mit einer einseitigen Gehörgangsatresie kann die ‘schlummernde’ Schnecke mit einem Knochenleitungshörgerät ganz einfach ‘zum Leben erweckt’ werden (Abb. 1). Oft ist das erste Aufsetzen des Knochenleitungshörgeräts für diese Patienten ein ganz erhebender Moment, in dem sie zum ersten Mal in ihrem Leben ‘stereo’ hören. Während früher die meisten Patienten erst im Erwachsenenalter zur Versorgung kamen, geht der Trend heute dahin, den Eltern von Kindern, die mit einer einseitigen Gehörgangsatresie auf die Welt kommen, von Anfang an, ein Knochenleitungshörgerät anzubieten. Auch hier spielt sich die Reifung der Hörbahn in den ersten Lebensjahren ab! Möglicherweise können dann Feinheiten für das beidohrige Hören in Form von minimalen Zeitunterschieden zwischen beiden Ohren erst erlernt werden. Aber auch Patienten, die erst im Erwachsenenalter versorgt werden, profitieren von dieser Hörversorgung. Statt einem monauralen wird ein binaurales Hören ermöglicht. Das resultiert in einem symmetrischen räumlichen Hörfeld und einem besseren Sprachverständnis im Störgeräusch. Vor allem der in der Alltagssituation so störende ‘Kopf-Schatten-Effekt’ wird ausgeglichen. Darunter versteht man, dass ein nur mit einem Ohr hörender Patient akustische Signale, die von der tauben Seite kommen, schlechter wahrnimmt als auf der hörenden Seite.

 

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Dr. med. Philipp A. Federspil

Univ.-Hals-Nasen-Ohrenklinik Heidelberg (Direktor: Prof. P. K. Plinkert)

Im Neuenheimer Feld 400

69120 Heidelberg

 

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