‘Du verstehst aber auch nur Bahnhof!’

Seit meiner frühen Kindheit bin ich aufgrund mehrerer Mittelohrentzündungen und der damit verbundenen Einnahme von Antibiotika hochgradig schwerhörig. Aufgewachsen in einer sehr ländlichen Gegend in Rheinland-Pfalz, war guter Rat weit weg. Meine Eltern hatten meine Hörschädigung zwar sehr bald vermutet, bis zur Diagnose dauerte es aber noch, bis ich sechs Jahre alt war. Der HNO-Arzt in der nahe gelegenen Kleinstadt hatte meinen Eltern nicht geglaubt und konnte meine Behinderung nicht feststellen. Erst nachdem meine Eltern mit mir in die Uniklinik nach Mainz fuhren, konnte ihre Vermutung bestätigt werden. Ungefähr ein halbes Jahr vor meiner Einschulung bekam ich Hörgeräte. ‘Gerade noch rechtzeitig’ waren die Gedanken meiner Eltern. Sie bekamen keine Beratung und ich wurde sprachlich nicht gefördert. Von Logopädie war also keine Rede, obwohl dies sehr wichtig gewesen wäre.

Mit der apparativen Versorgung war mein Handicap erst einmal vergessen. Ich hatte ja jetzt Hörgeräte und müsste damit ja wieder gut hören. Dass ich in der Grundschule keine Probleme hatte, verdanke ich nicht den Lehrern, sondern dem Glück, das ich wohl gehabt hatte. Der Satz meines damaligen Klassenlehrers „Du verstehst aber auch nur Bahnhof“ ist leider immer noch fest in meinem Kopf verankert. Ähnliche Kommentare bekam ich auf dem Gymnasium, auf das ich nach der Grundschule wechselte, immer wieder zu hören – überwiegend von den so genannten Pädagogen.

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Kerstin Stephan
Zunftstr. 22
76227 Karlsruhe

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