Nachteil? Welcher Nachteil?

Ein Wirtschaftsjournalist berichtet, wie Hörgeräte seinen Joballtag und sein Leben erleichtern

Zuerst war es das Läuten des Telefons, das ich plötzlich nicht mehr hörte. Jahrelang hatte ich auch aus dem hintersten Winkel meines Elternhauses jenes heisere Rasseln wahrgenommen, mit dem unser cremefarbenes Wählscheiben-Telefon einen Anrufer ankündigte. Doch plötzlich war dieser vertraute Klang verschwunden. Nicht gänzlich: Wenn ich mich dem Telefon näherte, hörte ich es klar und deutlich klingeln. Aber aus weiterer Entfernung, etwa wenn ich im Garten saß, blieb es plötzlich stumm.

Achtzehn Jahre war ich damals alt. Doch ich ahnte bereits, was das bedeutete. Auch ich hatte künftig jene Erblast aus dem familiären Genpool zu tragen, die bereits meine Mutter und meine beiden Tanten quälte: eine vererbte Innenohr-Schwerhörigkeit. Aufgrund eines genetischen Defekts sterben bei mir jene Härchen im Innenohr ab, die Normalhörenden die Unterscheidung zwischen Lauten wie ‘f’ und ‘t’ erleichtern. Die Folge davon ist eine Hörkurve, deren Form an die schematische Darstellung eines sanften, weit gezogenen Alpentals erinnert. Bei den tiefen Tönen stehe ich noch auf einem Berggipfel, während ich im Bereich zwischen 1.500 und 6.000 Hertz eine lange u-förmige Talsohle durchwandere.

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Wilfried Eckl-Dorna
Oststr. 139
40210 Düsseldorf

© Wilfried Eckl-Dorna 2009. Dieser Text wurde als Auftragswerk für die Zeitschrift Schnecke verfasst. Eine Publikation in anderen Druckwerken – auch Online – bedarf der Zustimmung des Autors.

 

 

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