Die Geige wurde meine beste Freundin 

 

Zauberwörter und Lieder waren für mich, Jahrgang 1985, als kleines Mädchen Realität, weil ich kaum etwas gehört haben kann. Meiner Behinderung war ich mir bis zum Alter von sechs Jahren nicht bewusst – es war die unbeschwerteste Zeit in meinem Leben. Seltsam war jedoch z.B., dass meinen Eltern die Musik, die ich hörte, immer zu laut war und sie den Rekorder dann so leise drehten – weil man so Musik hören müsse –, dass ich keinen Piepton mehr hören konnte. Oder: Beim Ballettunterricht drückte die Lehrerin einen Knopf des Kassettenrekorders und dennoch hörte ich keine Musik.

 

Als Sechsjährige erhielt ich Hörgeräte – es war das Ende einer Odyssee von Arzt zu Arzt. Der letzte Arzt in dieser langen Reihe schickte uns zu einer Logopädin, die sich schnell sicher war – das erste „Zauberwort"! Ich war hochgradig schwerhörig! Wie konnte man das nur so lange übersehen? Mit meinen Hörgeräten hörte ich viel Neues, wie z.B. Vogelgesang, den ich für das Pfeifen meines Hörgerätes hielt. Wusste ich doch nicht, welch brillante Musiker die Vögelchen sind! Mein Vater las mir stundenlang vor, damit ich die verlorenen sechs Jahre Sprache aufholen konnte. Er kaufte mir von seinem knappen Geld jedes Buch, das ich mir wünschte. Es war die Grundlage, um Sprechen, Schreiben und Lesen zu lernen und damit Zugang zu guter Bildung zu erhalten. Der zauberhafteste Moment war, als ich einen Vater mit seinem Sohn Violine spielen hörte. Sechs lange Jahre hatte dieser Klang geschlafen, und von nun an ließ mich der Zauber dieser Musik nie wieder los.

 

(...)

 

Regina Knoll

 

 

Ausgabe: Schnecke 79, S. 12

 

 

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