Der Weg zurück zu den Menschen

Herbert, mein Ehemann und morgendlicher Wecker, rüttelt schon eine ganze Weile an mir. Schlaftrunken: „Nur noch fünf Minuten!" Ein quälender Schmerz zieht durch meinen Kopf. Mit Unbehagen denke ich an den gestrigen Abend. Wieder einmal hatte ich ein Fest überstürzt, ja fluchtartig verlassen. „Eine Vernissage im kleinen Kreis", hatte mir meine Freundin Gitti, eine Hobbymalerin aus Freising, versichert. Von wegen kleiner Kreis! Lautes Stimmengewirr, Gelächter, das Klappern von Gläsern und Tellern, dazu Hintergrundmusik. Ich vertilgte unzählige Mengen an herumgereichtem Fingerfood und trank mehr Champagner als mir gut tut (beides mag ich eigentlich nicht), nur um Fragen ausweichen zu können, die ich akustisch nicht verstehe. Seit meiner Erblindung vor zwölf Jahren fühle ich mich der Zielgruppe der Ausstellungsbesucher nicht mehr unbedingt zugehörig. Doch jemand nahm sich freundlicherweise die Zeit, mir die Bilder einzeln zu beschreiben. Ich nickte höflich, verstand nur einen Bruchteil. Es war mir zu laut, ich wollte nach Hause!

(...)

 

Sabine Deiser

 

 

Ausgabe: Schnecke 87, Seite 36

 

 

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